Warum Menschen ihre Heimat verlassen

„Du kommsch hier a, deine Füß tun weh,

2.000 km, i möcht euch mal seha,
mit’m Schiff und am Zug,
niemals z’essa gnug,
do wo du herkommsch war Lug und Trug.

Und sie verfolget und schießet
und sie tötet nur,
i wär d’rvo genau wie du,
i hätt’s gmacht genau wie du.

Refrain: und jetz sitzsch in der Turnhall,
hosch a Bett und koin Stuhl,
300 Leut und koin Meter dei Ruh.
Draußa stehet Leut und sie rufet blend:
Mir hen hier koin Platz für die,
noi, mir hen hier koin Platz für die.“ (Desduo)

Gänsehaut macht sich im Foyer der Stadthalle breit, als die Gruppe Desduo mit dem Lied „Turnhall“ die Vernissage für die Ausstellung „Warum Menschen ihre Heimat verlassen“ eröffnen. Etwa 50 Wernauerinnen und Wernauer sind ins obere Foyer der Wernauer Stadthalle im Quadrium gekommen, um sich über das Projekt von Herrn Melchior Landolt vom Verein Terra Verde und die Möglichkeiten zur Bekämpfung von Fluchtursachen zu informieren.

 

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Das Thema Flucht begleitet uns in Deutschland schon sehr lange. Es wird viel getan, diskutiert, teilweise auch sehr emotional. Das Thema spaltet die Politik und auch so manche Familien. Machen wir uns über Fluchtursachen Gedanken, fallen uns ganz unterschiedliche Gründe ein. Zwischen 1820 und 1928 wanderten rund 6 Millionen Deutsche in die USA aus in der Hoffnung auf ein besseres Leben. 1946, nach dem 2. Weltkrieg, wurden bei einer Volkszählung in Deutschland 9,6 Millionen Kriegsflüchtlinge gezählt.

244 Millionen Migranten weltweit wurden laut UN im Jahr 2015 gezählt. Davon sind rund 65 Millionen Menschen Flüchtlinge, wobei nur ein sehr kleiner Teil der Flüchtlinge ihr Heimatland verlässt. Daran gemessen kommt nur sehr wenig Flüchtlinge nach Deutschland (2015: 890.000). Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Gründe für die Flucht von Menschen aus ihren Heimatländern sind Krieg und Unterdrückung, aber auch hohes Bevölkerungswachstum in Verbindung mit der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Bei dieser Problematik setzt Herr Landolt mit der Bekämpfung der Fluchtursachen vor Ort an. Er berichtet von einer Erfolgsgeschichte aus Burkina Faso (Westafrika). Bauernfamilien haben mit der Unterstützung Deutschlands mehr als 2 Millionen Tonnen Steine (Volumen der Cheops Pyramide) zu Kontursteinmauern geschichtet, um ihre Böden vor einer Wüstenbildung zu schützen. Die Gesamtlänge der Mauern beträgt rund 40.000 km. Herr Landolt war in diesem Projekt tätig und plädierte für eine Weiterführung dieser Boden und Wasser konservierenden Maßnahmen.

Doch die Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde ersatzlos eingestellt. Deshalb haben Herr Landolt und ehemalige Arbeitskollegen beschlossen, selber eine Nachfolgestruktur zu schaffen.

Seit mittlerweile 10 Jahren kämpft Herr Landolt mit den Menschen vor Ort gegen die Versteppung der Landschaft. Zusammen mit seinem burkinischen Partnerverein haben sie über viertausend Bauernfamilien unterstützt, Kontursteinmauern auf ihren Ackerflächen zu bauen. Diese werden den Höhenlinien entlang gebaut und verhindern das schnelle Abfließen des Regenwassers. Der fruchtbare Boden wird nicht mehr abgeschwemmt und es kann mehr Regenwasser in den Boden eindringen. Beide Effekte – Erosionsschutz und eine bessere Nutzung des Regenwassers – bewirken eine Verdoppelung der landwirtschaftlichen Erträge.

Durch sein unermüdliches Plädoyer ist es ihm und seinen burkinischen Kollegen geglückt, ein großes Nachfolgeprojekt zu initiieren. Es wird über die Sonderinitiative des deutschen Ministeriums BMZ „Eine Welt ohne Hunger“ finanziert.

Mit eindrucksvollen Bildern wird in der Ausstellung gezeigt, dass es oftmals nur der Hilfe zur Selbsthilfe bedarf, um große Wirkungen zu erzielen. Aus wüstenähnlicher Steppe wurden in kurzer Zeit blühende Landschaften geschaffen, auf denen genügend Lebensmittel produziert werden, um den Eigenbedarf zu decken und mit dem Verkauf von Überschüssen das Geldeinkommen zu erhöhen. Diese Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen bietet den Menschen in Burkina Faso eine Verbesserung der Ernährungssituation und somit eine Bleibeperspektive in ihren Dörfern und in ihrem Heimatland.

Die Ausstellung, die noch bis 14. Oktober besucht werden kann, richtet sich nicht nur an Erwachsene. Herr Landolt ist in dieser Zeit stets bereit, Jugendgruppen, Vereine und auch private Gruppen durch die Ausstellung zu führen und alle Fragen kompetent zu beantworten. Kontakt: landolt.mel@t-online.de

Lassen Sie sich diese einmalige Möglichkeit zur Besichtigung der Ausstellung nicht entgehen. Ihnen und ihren Kindern werden eindrucksvolle Eindrücke bleiben.

Öffnungszeiten der Ausstellung im oberen Foyer, Quadrium:
Montag, Mittwoch, Donnerstag: 8-12 Uhr und 14-16 Uhr
Dienstag: 8-12 Uhr und 14-18 Uhr
Freitag: 8-12 Uhr

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